Nicht immer sind die Gene schuld: Veränderte Umweltfaktoren, neue Nahrungsgewohnheiten und ein unterfordertes Immunsystem erhöhen das Allergienrisiko. Tagesstätten und Bauernhöfe wirken dagegen vorbeugend.
Früher turnte Pippi Langstrumpf mit ihren Freunden Tommi und Annika Settergren durch die Felder. Sie übernachteten im Heuschober und ritten auf dem Pferd „Kleiner Onkel“ durch die Landschaft. Würde Astrid Lindgrens Geschichte heute spielen, müssten die Kinder sich wahrscheinlich bei den Settergrens zu Hause verabreden, weil Annika auf die Pferdehaare allergisch wäre und Tommi den Staub in Pippis Villa Kunterbunt nicht vertrüge. Wenigstens aber hätte einer der drei Heuschnupfen – denn jedes dritte Kind leidet inzwischen an Allergien.
Im Kindesalter zählen sie heute zu den häufigsten chronischen Erkrankungen: Von den rund neun Millionen Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 15 Jahren in Deutschland leiden bis zu sieben Prozent an Neurodermitis, fast ebenso viele an Asthma und knapp elf Prozent an Heuschnupfen, meldet das aktuelle Weißbuch Allergie in Deutschland. Während Ärzte früher noch zum Abwarten rieten, sind sie heute überzeugt, dass Angriff die beste Verteidigung gegen die Krankheit ist: Je früher Betroffene ihre Allergie behandeln lassen, umso besser können sie damit leben.
Jeder zehnte Säugling entwickelt bis zu seinem ersten Geburtstag eine Neurodermitis, ein Drittel davon gleichzeitig mit einer Nahrungsmittelallergie: am häufigsten gegen Hühner- und Milcheiweiß. „Zwar verschwinden diese Allergien mit dem dritten Lebensjahr meist von allein wieder“, erklärt Jan-Christoph Simon von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universität Leipzig, „doch ein Teil der Betroffenen erkrankt im frühen Schulkindalter an Asthma. Später, in der dritten oder vierten Klasse, wird Heuschnupfen zum typischen Krankheitsbild.“ Bis zu 20 Prozent der Zehnjährigen leiden im Frühjahr oder Frühsommer an dieser Symptomatik.
Allergien vollziehen einen Etagenwechsel
Manchmal treten die Allergien gleichzeitig auf, meistens wechselt aber eine die andere ab. Die Ursache für diese Entwicklung hat die Wissenschaft bisher noch nicht geklärt. „Wir gehen davon aus, dass die Neurodermitis die Barrierefunktion der Haut stört und sie durchlässig macht für allergieerzeugende Stoffe“, erklärt der Professor für Allergologie und Dermatologie. So kommt es zum sogenannten Etagenwechsel: Die Allergie springt von der Haut auf die Atemwege über.
Quelle: Focus.de