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    Schmerztherapie – ein Stiefkind der Medizin

    Von sunnyapo | 25.Juni 2008

    Viele Menschen fürchten sich davor, krank zu werden. Aber wirklich jeder hat Angst vor Schmerzen. Dies ist ganz natürlich. Schmerz signalisiert uns, dass etwas nicht stimmt in unserem Körper. Wenn die Erkrankung vergeht, der Schmerz aber bleibt, wird er selbst zur Krankheit.

    10 Millionen Betroffene in Deutschland

    Allein in Deutschland leiden laut der Deutschen Schmerzliga rund acht bis zehn Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Aber nur ein kleiner Teil davon befindet sich in angemessener Behandlung. Denn es fehlt an Einrichtungen und Spezialisten auf diesem jungen Gebiet der Medizin.

    Bis vor wenigen Jahren war die Schmerztherapie noch nicht einmal Prüfungsfach im Studium. Manche Ärzte nehmen die Beschwerden ihrer Patienten daher nicht ernst. Schmerz, oft auch noch ohne erkennbare organische Ursache, wird darum nicht selten als Einbildung oder “Psychokram” abgetan, oder einfach als etwas, mit dem der Betroffene selbst fertig werden muss.

    Oft sind es aber auch die Patienten selbst, die sich nicht in Behandlung begeben. Indianer kennen keinen Schmerz. Wer gibt schon gerne zu, nicht hart im Nehmen zu sein?

    Vielfältige Ursachen

    Akuter Schmerz verschwindet meist nach Stunden oder wenigen Tagen. Der chronische Schmerz überdauert eine Krankheit über Monate oder sogar Jahre und wird damit selbst zur Krankheit. Zu Schmerzen, die chronischer werden können, zählen:

    * Kopfschmerz (auch Spannungskopfschmerz)
    * Migräne
    * Medikamenten-Kopfschmerz
    * Schmerzen des Bewegungsapparats wie Kreuz- und Wirbelsäulenschmerzen, Muskelschmerzen
    * Rheumaschmerzen
    * Neuralgien (Nervenschmerzen, z. B. Trigeminusneuralgien)
    * Phantomschmerzen nach Amputationen
    * Schmerzen in Folge von Tumoren

    Nervenzellen lernen

    Überträger des Schutzreizes Schmerz sind die Nervenbahnen. Früher nahm die Wissenschaft an, dass Nerven einfache Signalstrecken sind ähnlich einem Stromkabel, deren einzige Aufgabe es ist, die Reize weiterzuleiten. Heute weiß man, dass Nerven über ein so genanntes Schmerzgedächtnis verfügen. Je länger sie einen Schmerzreiz übertragen, desto größer ist die Gefahr, dass sich der Schmerz verselbstständigt, chronisch und somit zur eigenständigen Krankheit wird. Eine frühzeitige ausreichende Linderung ist darum sehr wichtig, um die Folgen einer chronischen Schmerzerkrankung wie Depressionen und soziale Vereinsamung zu verhindern.

    Schmerzen sind kein Schicksal

    Wer seit längerem unter Schmerzen leidet, sollte sich zuerst seinem Hausarzt anvertrauen. Hier kann man auch eine Überweisung zu einem Facharzt für Schmerztherapie oder in ein Schmerzkrankenhaus erhalten. Auf keinen Fall darf sich ein Patient einfach damit abfinden, dass er oder sie unter Schmerzen leidet. Schmerzen sind kein Schicksal. Sie sind eine Krankheit, die geheilt werden kann.

    Den Teufelskreis durchbrechen

    Hilfreich ist es, wenn der Patient bereits ein Schmerztagebuch angelegt hat und dieses zur ersten Beratung mitbringt. In diesen Aufzeichnungen sollten Art und Häufigkeit des Schmerzes exakt nach Tageszeit und Aktivität aufgezeichnet werden (Ist es morgens oder abends schlimmer? Besserung oder Verschlechterung durch Bewegung? Etc.)

    Wichtig ist, dass im Arzt-Patienten-Gespräch auf die Ursachen des Schmerzes eingegangen wird. Denn oft ist bereits ein Teufelskreis zwischen Ursache und Wirkung entstanden: Zum Beispiel Schmerzen durch Muskelverspannung und wiederum Muskelverspannung durch Schmerz. Hier einzugreifen und diesen Kreis zu durchbrechen ist Aufgabe der Schmerztherapeuten.

    Je nach Ursache eine andere Therapie

    So unterschiedlich wie die verschiedenen Schmerzauslöser ist auch ihre Behandlung. Migränepatienten beispielsweise brauchen eine eingehende Beratung, um die Risikofaktoren, die einen Anfall auslösen, zu vermindern. Hierzu gehören auch eine bewusste Ernährung, das Aufgeben von Nikotin und Alkoholgenuss und ein geregelter Schlafrhythmus. Eine medikamentöse Therapie ist in den meisten Fällen hilfreich. Aber auch Akupunktur kann Migräne- und anderen Schmerzpatienten helfen. Sie wird in vielen Fällen ganz oder teilweise von den Krankenkassen übernommen.

    Neben wirkungsvollen Medikamenten stehen auch andere Therapiearten zur Verfügung, um Schmerzen zu lindern oder zu beseitigen. Physiotherapie, Massagen, medizinische Bäder oder Reizstrom sind einige davon. Aus der alternativen Heilmethodengruppe stehen dem Schmerztherapeuten neben der Akupunktur auch die Chiropraxis und die Osteopathie zur Verfügung. Diese Methoden befassen sich mit der Mechanik des Körpers und können durch bestimmte Einflüsse auf Muskeln, Gelenke und Nervenknoten zur Linderung von Verspannungen und Schmerzen beitragen.

    Eine Methode, die in vielen Fällen von chronischem Schmerz hilfreich ist, ist das Bio-Feedback-Verfahren. Hier lernen die Betroffenen, sich der Vorgänge in ihrem Körper bewusst zu werden und ihn so zu steuern, dass die Schmerzen weniger werden.

    Die Psyche nicht vergessen

    Chronischen Schmerzen betreffen häufig nicht nur den Körper, sie können auch den Geist zermürben und zu Depressionen bis hin zu Suizidgedanken führen. Die psychologische Komponente der Schmerztherapie darf darum in keinem Fall außer Acht gelassen werden. In vielen Praxen werden spezielle Programme für die psychologische Betreuung von Schmerzpatienten angeboten. In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene untereinander austauschen, Rat und Hilfe weitergeben und das Gefühl erleben, mit der Krankheit Schmerz nicht alleine dazustehen.

    Strenge Standards

    Schmerztherapeutische Einrichtungen in Deutschland gibt es erst seit wenigen Jahren. Sie befassen sich mit der Vorbeugung, Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzkrankheiten und müssen bestimmte Anforderungen und Standards erfüllen. Nur dann wird die Erlaubnis erteilt, sich Facheinrichtung für Schmerzpatienten zu nennen.

    In Schmerzkrankenhäuser arbeiten verschiedene Fachgebiete der Schmerzbekämpfung interdisziplinär zusammen. Sie versorgen ausschließlich Schmerzpatienten. Mindestens drei medizinische Gebiete, algesiologisch qualifizierte Psychologen und Physiotherapeuten arbeiten dabei Hand in Hand. Wo Betroffene Spezialisten in ihrer Nähe finden, ist beim Hausarzt, bei der Ärztekammer oder im Internet zu finden (siehe unten).

    Ein Leben ohne Schmerzen ist erst wieder richtig lebenswert. Das erfahren viele Patienten, die durch erfolgreiche Therapien von der Dauerqual chronischer Schmerzen befreit wurden. Leider steckt die Forschung nach effizienteren Wegen aus dem Schmerz noch in den Kinderschuhen. Doch schon heute ist klar: Niemand muss mit Schmerzen leben!

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