Das Frühjahr beginnt, die Zecken wachen auf. Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder wirbt für die Schutzimpfung und geht mit gutem Beispiel voran.
Gestern Mittag ließ Söder sich im Nürnberger Gesundheitsamt eine Spritze verpassen. Damit ist die dreistufige Zeckenschutzimpfung bei ihm abgeschlossen. «Der März ist ein guter Zeitpunkt dafür.» Söder rät jedem Bürger zu dieser Vorsorge, die Hausärzte auf Kosten der Krankenkassen durchführen. Sie schützt vor der Ansteckung mit der Viruserkrankung FSME, der Frühsommer-Meningoenzephalitis. «Ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko», so der Minister, «es kann keine Entwarnung geben.» Er tadelt die «zum Teil fahrlässigen Diskussionen» unter Impfskeptikern.
Die FSME ist nicht behandelbar, kann zu Gehirn- und Rückenmarksentzündungen führen und sogar tödlich enden. Im Jahr 2008 wurden in Bayern 128 FSME-Fälle gemeldet (bundesweit 287). Das waren 19 mehr als im Vorjahr, aber weniger als 2005 und 2006, was an ersten Impferfolgen liegen mag. Allerdings haben sich gleichzeitig die Viren in den Zecken weiter verbreitet, auf bis zu fünf Prozent der Tiere. Mittlerweile gelten 75 der 96 bayerischen Landkreise und Städte als Risikogebiet, besonders auch Franken. Ausgenommen bleiben noch Schwaben, das westliche Oberbayern und Rhön-Grabfeld. Als Grund für die Durchseuchung vermuten Infektionsexperten die Klimaerwärmung. Der kalte vergangene Winter ändert nichts daran: Bis minus 28 Grad können die Spinnentiere gut überleben.
Die bayerische FSME-Impfrate von 30 Prozent sei zwar die höchste in Deutschland, sagt Markus Söder, aber noch zu niedrig. Die Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen möchte sie auf mindestens 50 Prozent steigern, sagt deren Präsident Dr. Nikolaus Frühwein. In Österreich seien 90 Prozent der Bevölkerung geimpft. In Deutschland würden auch viele Geimpfte die Auffrischung im Drei- bis Fünfjahresabstand versäumen. Für Frühwein eine bittere Nachlässigkeit: «FSME ist eine häufige und schwere Erkrankung.» Die Impfung sei schmerzlos und sehr gut verträglich, schon bei Kindern ab dem ersten Lebensjahr.
Sie bietet keinen Schutz vor der zweiten durch Zecken übertragenen Erkrankung, der Borreliose. Diese kommt genauso außerhalb der Risikogebiete vor. Die verantwortlichen Bakterien leben in bis zu 35 Prozent der Zecken. Das Risiko, sich anzustecken, steigt mit der Saugdauer. Am besten entfernt man eine Zecke also schnellstmöglich, indem man sie mit einer spitzen Pinzette, seitlich am Kopf angesetzt, gerade aus der Haut zieht. Auch Zeckenkarten eignen sich als Werkzeug, sagt Dr. Volker Fingerle, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Borrelien am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Nicht zu empfehlen seien die gröberen Zeckenzangen aus Plastik, da man mit ihnen die Zecke quetscht. Wenn ein Stück des Stechrüssels steckenbleibt, mache das nichts aus. Hier weiterlesen…